Über uns
Die Liste GEGEN DEN STROM hat sich Ende der neunziger Jahre beim Krankenhauskonzern Vivantes schwerpunktmäßig im Klinikum Neukölln gebildet. Ziel war es - und das ist es immer noch - einen Gegenpol zur Sachzwang-Politik der Geschäftsleitung zu bilden und somit konsequent für die Interessen der Beschäftigten einzutreten. Mit der Gewerkschaft verdi arbeiten wir eng zusammen, ohne dabei unsere Prinzipien zu verletzen.
Um aktiv Betriebspolitik mitgestalten zu können, war es erforderlich, zu den Betriebsratswahlen 2002 zu kandidieren. Auf Anhieb schafften wir 9 Plätze. Damit haben wir zwar nicht die Mehrheit erreicht, wir konnten aber eine breite Basis davon überzeugen, dass unser Kurs die Interessen der Beschäftigten wahrnimmt und umzusetzen versucht. Bei der Wahl 2006 haben wir 10 Plätze hinzugewonnen und haben nur knapp die Mehrheit verfehlt.
Im Folgenden dokumentieren wir (leicht angepasste) Auszüge aus dem Wahlaufruf von 2006, der nach wie vor für uns Gültigkeit besitzt.
Aus dem Wahlaufruf von 2006:
Für konsequente Betriebsräte
Gegen Co-Management
Für beschäftigtenorientierte Betriebsratsarbeit
Aus Sicht der Geschäftsführung liegen Jahre erfolgreicher Sanierung hinter uns, so der neue Vorsitzende der Geschäftsführung auf der Betriebsversammlung.
Jahre Sanierung aus unserer Sicht
Für uns Beschäftigte waren das Jahre permanenten Abbaus von Personal, 4200 Arbeitsplätze sind verloren gegangen, jede dritte Stelle wurde gestrichen. Das waren Jahre ständiger Arbeitsverdichtung: 30 Prozent mehr Arbeit für jeden von uns. Auf fast allen Stationen wurde das Personal um mindestens 20 Prozent gekürzt und es mussten zusätzliche Arbeiten übernommen werden.
Im ärztlichen Bereich führten die Stellenreduzierungen zum weiteren Ansteigen der unbezahlten Überstunden und zu erheblichen Einbrüchen bei der Qualität der Versorgung - wie überall.
Die Institute wurden radikal zentralisiert und das Personal landete und landet im Überhang. Im Labor z.B. gerieten über 50 MTLAs in den Überhang, zum größten Teil ohne jede Perspektive. Das Zentrallabor selbst ist mit dem von MC Kinsey berechneten Personalschlüssel faktisch arbeitsunfähig, die Notfalllabore in den Bereichen sind völlig überlastet.
Die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung (Personalbetreuung/ Patientenabrechnung / Finanzen) können nur noch Anteile der eigentlichen Aufgaben erledigen.
Der gesamte Bereich Reinigung im Facility Management (Tochter Vivaclean) lebt im wesentlichen nur noch von der Ausbeutung neu eingestellter Arbeiterinnen und Arbeiter, die für einen Stundenlohn von unter 10 Euro auch noch unbezahlte Überstunden machen, nur um den Job zu behalten. Dasselbe in der Küche und bei der Tochtergesellschaft SVL.
Eine Reihe von Krankenpflegekräften werden über die Vivantes-eigene Zeitarbeitsfirma Vivaflex zu Billiglöhnen beschäftigt.
Die 11 von uns betriebenen Pflegeheime wurden ausgegründet, um die extrem anstrengende Arbeit mit noch schlechteren Tarifen bezahllen zu können. Für die bei Vivantes verbliebenen Arbeiterinnen und Arbeiter sind erhebliche Änderungen im Arbeitsalltag geplant. Pforten und Telefonzentralen wurden geschlossen, die technischen Leitwarten wurden gefährlich umfangreich reduziert. Die Handwerker sollen durch einen so genannten Handwerkerpool allgemein verfügbar sein.
Im Unternehmen Vivantes gibt es keinen Bereich, der nicht untersucht, betrachtet, verändert und rationalisiert wurde. Dies alles unter der Regie des Beraters MCKinsey und alles nach streng betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Völlig egal, ob Gesundheit produziert wird oder Fernsehgeräte oder Schnürsenkel produziert werden. Das Ergebnis ist entsprechend: theoretisch werden die Patienten mit weniger Aufwand besser versorgt. Praktisch findet jedoch keine Patientenversorgung mehr statt. Der Patient (Mensch?) wird aufgenommen als Fall, nach DRG eingeordnet (mit möglichst viel Profit), möglichst effektiv durch die Diagnostik geschoben und nach der DRG-berechneten Liegedauer möglichst zügig abgegeben. Wohin? Egal! Hauptsache, die nach DRG berechnete Fallpauschale wird nicht überschritten.
Und wir - die Beschäftigten des Unternehmens Vivantes, was ist mit uns? Haben wir etwas gelernt in diesen Jahren der Sanierung? Sind wir schneller geworden, effektiver, besser? Ist es gelungen, mit mehr Motivation, mit gegenseitiger Unterstützung den Arbeitsalltag besser zu bewältigen? Sind die kleinen Ärgernisse der Vergangenheit ausgeräumt? Haben wir, wie Herr Strehlau-Schwoll dies auszudrücken beliebte, "...von den lieb gewordenen Gewohnheiten Abstand genommen und uns mit den neuen Herausforderungen auseinandergesetzt...."? (Vivantes aktuell vom 28.3.06) Was meinten Sie eigentlich mit den lieb gewordenen Gewohnheiten, Herr Strehlau-Schwoll? Das Patientengespräch? Das Gespräch mit den Angehörigen? Die Dekubitusvorsorge? Die tariflich vorgeschriebene Pause? Unseren Feierabend, der nach spätestens 10 Stunden erreicht sein sollte?
Woraus soll eigentlich die Motivation entstehen, die zum zentralen Antriebsmotor für die Entwicklung unseres Unternehmens herhalten soll?
Hier kann es aus unserer Sicht nur eines geben:
Konsequenten Widerstand aller Beschäftigten auf allen Ebenen des Unternehmens! Die Liste Gegen den Strom besteht aus nunmehr über 100 Kolleginnen und Kollegen aus allen Teilen des Unternehmens - auch aus den Tochtergesellschaften - und will als wesentlicher Faktor des Betriebsrates diesen Widerstand mit organisieren. Dazu brauchen wir eure Stimme, als Stimme des Widerstandes gegen eine Unternehmenskultur, die geprägt ist von Ausbeutung, Lohnabbau, Stellenstreichungen, Arbeitsverdichtung, Ausgründungen, Tarifflucht und Erpressung.
Es muss uns dabei gelingen die Gewerkschaft Verdi mit klaren Positionen in unseren Kampf mit einzubeziehen. Wir fordern deshalb jetzt von unserer Gewerkschaft ein klares und deutlich vernehmbares NEIN zum jedem Erpressungsversuch der Geschäftsführung.




